Statistiken

Raucher verursachen Kosten, aber sie zahlen auch Tabaksteuer und sterben früher. Kein Wunder, dass Diskussionen um die monetären Folgen des Rauchens häufig im blauen Dunst simpler Klischees und nebliger Argumente verpuffen. Hinzu kommt, dass genaue Zahlen zu diesem Thema für Deutschland bislang kaum zu finden waren.


In den USA gibt es recht genaue Daten dafür, welche Erkrankungen wie häufig durch den Griff zur Zigarette entstehen. Dieses "relative Risiko" als Raucher an einer bestimmten Erkrankung zu sterben, lässt sich durchaus auf Österreich übertragen, wenn man auch kleine Fehler durch unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten und Umwelteinflüsse berücksichtigen muss. Letztlich schälten sich bei den Recherchen fünf Krankheitsgruppen heraus, die mit Rauchen in Verbindung gebracht werden können: einige Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atemwege, nikotinbedingte Todesfälle bei Neugeborenen (perinatale Krankheiten) und Tote durch Brandverletzungen.

Diese Werte wurden mit Daten des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Deutschland abgeglichen, die Auskunft geben über die krankheitsspezifische Häufigkeit von Todesfällen, Krankenhaustagen und Arbeitsunfähigkeitstagen. "Leider hinkt das BMG mit der Publikation bestimmter Daten immer einige Jahre hinterher, weshalb wir nur die Zahlen für 1993 errechnen konnten", bedauert Welte. Schließlich recherchierten die Ulmer Gesundheitsökonomen in einem letzten Arbeitsschritt direkte Behandlungskosten dieser Erkrankungen und die indirekten Kosten, die durch den Ausfall von Arbeitstagen entstehen. Wenn man alle Zahlen in Beziehung zueinander setzt, ergeben sich folgende Werte:

Was nicht berücksichtigt wurde: Arbeitsausfälle, die nicht bezahlt werden wie zum Beispiel Hausarbeit, Kindererziehung oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Fällt eine Arbeitskraft in diesem Bereich aus, muss sie oft durch bezahlte Arbeit ersetzt werden. Die tatsächlichen Kosten dürften also noch weit höher liegen.

Gegenargumente der Tabakliebhaber sind nur Schall und Rauch

"Halt!", hört man jetzt die Raucher rufen, "dafür zahlen wir auch Tabaksteuer und sterben früher, was die öffentliche Hand freut." Zwei Gegenargumente, die auch Robert Welte kennt, sie aber sogleich in Rauch aufgehen lässt: Der deutsche Fiskus habe zwar 1993 rund 9,20 Mrd. Euro an Tabaksteuern eingenommen. Aber: "Aus volkswirtschaftlicher Sicht handelt es sich bei allen Steuern, also auch der Tabaksteuer, nur um eine Verschiebung von Werten innerhalb der Gesellschaft." Soll heißen: Was der Staat einnimmt, geht den Bürgern verloren. Unterm Strich also ein Nullsummenspiel, dem die finanziellen Einbußen durch das Rauchen entgegenstehen.
Und das frühere Sterben? In den Augen des Ulmer Gesundheitsökonomen ist das ein zynischer Denkansatz. Zu Ende gedacht würde das bedeuten: "Jedes Kind, das früh stirbt, erspart dem Staat Millionen an Gesundheits- und Ausbildungskosten." Seine Studie, so Welte gegenüber Medical Tribune Online, habe bewusst nur die Kosten betrachtet, die durch das Rauchen verursacht werden.